Kritik an bindungsorientierter Erziehung

Teil 3/3:

Insbesondere im englischsprachigen Raum, aber auch in Deutschland wird Attachment Parenting seit einigen Jahren kontrovers diskutiert. Kritiker:innen meinen, das Konzept sei frauenfeindlich, weil als erste Bezugsperson in der Regel sehr selbstverständlich die Mutter genannt wird. Zudem setze das Konzept viele Mütter unter eine Art Leistungsdruck und mache ihnen ein schlechtes Gewissen. In vielen Fällen sei bindungsorientierte Erziehung nicht wie von Sears gedacht umsetzbar – zum Beispiel dann, wenn die Mutter wieder arbeiten geht.

Andere werfen Eltern, die bindungsorientiert erziehen, vor, sie würden ihr Kind verziehen. Durch das ständige Herumtragen und Stillen solle es eigentlich nur ruhiggestellt werden – was von Hilflosigkeit auf Seiten der Eltern zeuge.

Nicht bedacht wird an dieser Stelle häufig, dass Sears zwar häufig von den Müttern spricht, aber selbstverständlich auch Väter, Großeltern oder Geschwister wichtige Bezugspersonen für ein Kind sein können. Auch ein Vater kann in den ersten Tagen nach der Geburt viel Körperkontakt mit dem Baby haben, es im Tragetuch tragen und auf seine Bedürfnisse eingehen.

Zudem hat das Erfüllen von Bedürfnissen in meinen Augen nichts damit zu tun, ein Kind zu verziehen. Im Gegenteil: Es ist schlicht und ergreifend ein Ausdruck elterlicher Fürsorge und stärkt das so wichtige Urvertrauen, aus dem sich später zum Beispiel das Selbstbewusstsein des Kindes speist. Es geht nicht darum, dem Kind jeden Wunsch zu erfüllen und zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern darum, es respekt- und verständnisvoll zu behandeln.

Fazit: Attachment Parenting ja oder nein?

Die Frage, ob bindungsorientierte Erziehung nun erstrebenswert ist oder nicht, lässt sich pauschal nicht beantworten. Das zeigt auch die seit Jahren schwelende Debatte darüber.

Ich persönlich glaube daran, dass Kinder mit Erwachsenen gleichwertig und gleichwürdig sind und entsprechend behandelt werden sollten. Wie genau sich das aber ausgestaltet, kann und muss jede Familie für sich selbst herausfinden. Die Empfehlungen von Sears können als Orientierung dienen, dürfen aber selbstverständlich abgewandelt und an die individuellen Rahmenbedingungen Ihrer Familie angepasst werden. Auch eine Kombination mit anderen Ansätzen ist möglich.

Letztlich ist wichtig, dass Sie und Ihr Kind sich miteinander wohl fühlen, einander vertrauen können und einen Weg finden, auf dem keine der beiden Seiten zu kurz kommt. Wenn Sie sich dabei Beratung und Unterstützung wünschen, rufen Sie mich gerne an.

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